Hornissen 2021

Die Saison der Wespen und Hornissen hat 2021 deutlich später begonnen als in anderen Jahren. Das Frühjahr war wechslhaft und bot nur sehr wenige Tage mit entsprechender Witterung und Temperaturen, die zur Nestgründungen für Wespen- und Hronissenköniginnen nötig ist. Gerade Hornissen benötigen einige Tage am Stück gute Bedingungen, um in die Gänge zu kommen und mit der Gründung eines Nestes anzufangen. Die Nester haben sich verzögert über die Saison hin entwickelt und blieben so in ihrer Größe und Individuenzahl kleiner als es aus einem „normalen“ Jahr zu erwarten wäre.

Anfragen zu Wespen und Hornissen kamen bei uns auch in 2021 in ordentlicher Anzahl an. Neben dutzenden Aktionen zu Wespen kam es bei den Hornissen nur zu einer Umsiedlung in diesem Jahr. Die Untere Naturschutzbehörde München hat uns bzgl. eines Hornissenvolks im Rollokasten angefragt. Bei der ersten Beratung mit der Anwohnerin am Telefon und kurz darauf auch vor Ort zeigte sich, dass eine Koexistenz in diesem Fall wohl kaum möglich ist. Bei dem Einzimmerapartment waren die Hornissen im Rollokasten sozusagen direkt über dem Bett angesiedelt. Die Geruchsentwicklung hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch in Grenzen, aber ein erster brauner Fleck war Hinweis genug, dass hier über die Saison noch mit deutlich mehr zu rechnen ist. Vonseiten der UNB (Unteren Naturschutzbehörde) gab es in diesem Fall aufgrund unserer Einschätzung dann auch eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung des Volkes.

Hornissenarbeiterin startklar zum Abflug auf Beutezug nach anderen Insekten
© Felix Remter

Unser Mitstreiter Felix Remter war bei der Aktion mit an Bord und hat neben tatkräftiger Unterstützung auch noch sein Talent als Fotograf eingebracht und einige besondere Aufnahmen gemacht. So wirkt die ganze Sache viel eindrücklicher und zeigt die Hornissen hautnah, wie man sie selten zu sehen bekommt.

Zu dritt vor Ort haben wir uns zuerst noch einmal ein genaues Bild der Situation gemacht, alles vorbereitet und Material bereitgelegt. Die Fensterfront des Apartments raus auf den Balkon ist abgewinkelt und bietet genug Platz für das von uns vermutete Nest in der Ecke, in der sich beide Rollokästen treffen.

Situation in der Wohnung mit zwei Rollos über Eck
© Sebastian Roth

Wie bei den meisten Situationen mussten wir im ersten Schritt einen Großteil der Arbeiterinnen abfangen, bevor man in Ruhe das Nest bergen kann. Die Rollokästen waren nur von innen zu öffnen und das ist nur dann sinnvoll möglich, wenn keine Schar Arbeiterinnen mehr dort drin sitzt. Das Abfangen mit einer speziell dafür gebauten Gerätschaft (Staubsauger mit vorgelagerter gepolsterter Absaugbox) funktioniert an sich gut, erfordert aber auch Geduld und einiges an Geschick. Die Arbeiterinnen sind bis zu 45 Minuten in der Umgebung zur Insektenjagd unterwegs und entsprechend dauert das Absaugen und Einfangen mindestens 45-60 Minuten. Um möglichst wenige zu verpassen, wurde zusätzlich auch noch mit dem Kescher die ein oder andere Arbeiterin eingefangen und von dort dann ebenfalls mit dem Staubsauger in die Absaugbox befördert.

Absaugen und Fangen von Arbeiterinnen mit dem Kescher
© Sebastian Roth
Absaugbox hier direkt in der Umsiedlungsbox integriert
© Felix Remter

Nach gut einer Stunde erscheinen am Flugloch außen am Rollladen nur sehr vereinzelt Arbeiterinnen und so gingen wir drinnen ans Werk. Der Rollokasten ließ sich gut öffnen und wie vermutet war das Nest direkt in der Ecke entstanden. Nur noch wenige Arbeiterinnen und die Königin saßen auf den Waben. Es erfolgte kein Angriff, da wir die Wächterinnen, die üblicherweise für die Verteidigung des Nestes bereitstehen, bereits in der Saugbox hatten. Die Königin konnten wir geschickt mit einem Insektenfänger (oftmals Snapy® genannt) direkt von der Wabe abnehmen und sicher verwaren.

Direkter Blick auf das Nest – nur noch wenige Arbeiterinnen und die Königin
© Felix Remter

So entstanden auch besondere Einblicke in das Nest der Hornissen. Nachfolgend ist eine noch recht junge, frisch geschlüpfte Arbeiterin auf den Waben – zu erkennen an dem teils noch silbernen Flaum im Kopf- und Brustbereich und dem im Vergleich zu anderen noch etwas heller gefärbten Hinterleib. Im Hintergrund sieht man Zellen mit Larven in offenen Zellen und mit weißen Deckeln (bereits verpuppte Larven).

Direkter Blick auf das Nest – nur noch vereinzelte Arbeiterinnen und die Königin
© Felix Remter

Die Wabenteller waren bereits so groß, dass diese nach dem Ablösen im Rollokasten nur vorsichtig hochkant gestellt und dann zwischen den Aufhängungen der Rollos hindurch nach unten herausgeholt werden konnten. An den Rändern gab es unkritische Schäden an den Zellen, da gerade dieser Bereich sehr aktiv von den Arbeiterinnen erweitert und damit auch schnell wieder repariert wird. Selbst in den noch unfertigen Zellen am Rand hat die Königin bereits Eier gelegt, offenbar schneller als die Arbeiterinnen aktuell noch das Nest erweitern.

Eier und Larven in verschiedenen Stadien und Größen
© Felix Remter

Beim Einbau des Nestes sind noch weitere spannende Aufnahmen direkt vom Geschehen in den Waben gelungen. Da erblickte sozusagen vor unseren Augen eine Arbeiterin das Licht der Welt. Sie öffnet eigenständig den Puppendeckel mit ihren Mandibeln, den starken Kieferzangen und „beschnuppert“ mit ihren Fühlern derweil schon die nahe Umgebung, bevor sie es schaff, sich aus der Zelle raus auf die Wabe zu schieben.

Schlupf einer jungen frischen Arbeiterin
© Felix Remter

In den Zellen sind unterschiedliche Entwicklungsstadien der Hornissenbrut zu erkennen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man zwischendrin auch wieder frisch von der Königin gelegte Eier. Ein gutes Zeichen, dass hier alles seine Ordnung hat und das Volk wächst und gedeiht. Die Eier kleben auf verschiedener Höhe am Rand der Zellen. Teils ganz tief (oben im Bild) und teils sehr weit am oberen Rand der Zelle.

Eier, Larven und Puppen
© Felix Remter

Die aus dem Rollokasten entnommenen Wabenteller wurden nach und nach in die Umsiedlungkiste eingesetzt und mit Leisten und Stäben festgemacht. Dieser „Einbau“ muss sorgfältig vorgenommen werden, um die Stabilität der später kopfüber hängenden Wabenteller sicherzustellen. Die Arbeiterinnen befinden sich in der Ansaugbox/Kammer unter dem eingebauten Nest. Rechts unten im Bild ist ein Verschluss (schwarz) zu sehen. Dieser wird später am Zielort bei geschlossener Kiste über eine Schnur abgezogen, die durch einen Spalt herausgeführt ist. Daraufhin können die Arbeiterinnen aus der Kammer direkt zum Nest krabbeln und dies in Ruhe wieder besiedeln.

Nest in der Umsiedlungsbox rekonstruiert
© Felix Remter

Die Königin durfte aus ihrer kurzen Einzelhaft im Insektenfänger als erste wieder zurück auf das Nest klettern. Sie putzte sich und erkundete ihr altes/neues Zuhause nach dieser für sie sicher nicht ganz geheuren Aktion. Ohne einen direkten Vergleich sieht die Königin hier im Bild nicht sonderlich groß aus. Anhand der Zellen im Hintergrund ist durchaus ein Größenunterschied auszumachen. Die Umsiedlungskiste wurde nun sicher verschlössen und abtransportiert.

Die Königin wohlbehalten zurück auf dem Nest
© Felix Remter

Am neuen Standort angekommen brachten wir die Umsiedlungskiste an einem Baum an und sicherten sie mit Drahtseil und Spanngurt. Die Riegel vor den Fluglöchern wurden geöffnet, der freie Abflug aber noch mit einem stabilen Papierstreifen (weiß im Bild) verhindert. Der zuvor angesprochene Verschluss konnte nun gezogen werden, um die Hornissen aus der Absaugbox in den größeren Innenraum der Umsiedlungskiste zu entlassen, in dem sich das Nest befindet.

Die Umsiedlungskiste am neuen Standort am Baum aufgehängt
© Felix Remter

Nach dem Öffnen des Verschlusses finden die Hornissen sehr schnell die Fluglöcher, benötigen aber etwa 10 bis 15 Minuten Zeit, um sich durch das Papier zu nagen. Derweil legt sich die Unruhe der ganzen Aktion ein klein wenig. Würden Arbeiterinnen fluchtartig die neue Behausung am noch unbekannten Ort verlassen und wegfliegen, dann würden sie sich die neue Umgebung nicht genug einprägen, das Nest am neuen Ort nicht mehr wiederfinden und alleine verenden.

Arbeiterinnen nagen sich langsam durch ein Papier am Flugloch
© Felix Remter

Etwas Futter in Form von Zuckerteig liegt innen und außen bereit. Das soll die Strapazen der Umsiedlung und die Umstellung auf den neuen Standort ein wenig ausgleichen. Die nächsten Stunden und Tage erkunden die Arbeiterinnen die für sie noch neue Umgebung auf der Suche nach morschem, verrottetem Holz als Nestbaumaterial und Insekten als Nahrung zur Fütterung der Larven. Für diese Erkundungs- und Sammelflüge benötigen die Arbeiterinnen selbst ausreichend „Flugbenzin“ das sie meist in Form von Baum- und Pflanzensäften aufnehmen, aber eben auch gerne den angebotenen Zuckerteig nutzen.

Vielen Dank allen Beteiligten, den Umsiedler*innen für ihre Arbeit und Muße, Felix zusätzlich für die Fotos, der Anwohnerin für ihre Geduld, der UNB für die Freigabe zur Umsiedlung und last but not least besonders unseren Hornissenpaten, die das Nest bei sich aufnahmen und diese Tiere im eignen Garten direkt am Wohnhaus tolerieren und mit großem Interesse beobachten.

Leeres Nest nach Saisonende – seitlich geöffnet, um die Etagen sehen zu können
© Felix Remter
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